Münchner Freitag in Berlin

Die Freundin trifft schon um kurz nach Zehn bei mir ein, und mir fällt direkt wieder auf, was ich so sehr liebe: Sie bewegt sich in meiner Wohnung – ever since – ganz entspannt und selbstverständlich, jede Bewegung sagt mir »Ich fühle mir hier zu Hause.«

Ganz und gar erstaunlich: Mein Katzer verliebt sich. Ihre Tasche wird inniglich beschnüffelt, er geht heftig flehmend in Richtung Küche ab. Während wir beide – als hätten wir nie etwas anderes getan – gemeinsam unser Frühstück zusammenstellen, sitzt Leo auf dem Tisch und schaut uns zu. Sie dreht sich um und schaut ihn an, er bricht augenblicklich in Schnurren aus, wirft sich auf die Seite ‘Streichle mich!’ Und ich stehe mit einem fassungslosen Lächeln an der Anrichte und sehe diesen beiden beim Schmusen zu. — Mein Kater ist scheu. Meine Freundin erlebt er heute zum ersten Mal wirklich (beim letzten Mal hat er sich noch verzogen) … und keiner sieht’s, keiner merkt’s. Ich bin … practically stunned.

Der Nachmittag verläuft für uns sehr unerwartet. Unsere Gespräche haben immer Tiefe, aber heute ist es viel mehr als das. Ganz aus Versehen werden Stellen angetickt, die empfindlich sind. Wir weinen, wir lachen, wir weinen, wir kochen noch einen Kaffee, und irgendwie fühlt sich das alles an wie eine Katharsis im Schutzraum. Besser geht es nicht.

Sie geht noch auf einen Termin, ich habe keine Lust mehr zu arbeiten und tobe mich stattdessen in der Vorbereitung des Abendessens aus. Der Abend ein intensiver aufgehobener Fluß. Ich sagte es schon: Besser geht es nicht.

Bin zutiefst dankbar für jene, die ich mit Grund meine Freunde nenne.

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