Misc. vom Tage – Pandemiejournal Tag 63

Mein Lavendel ist noch jung, er macht sich aber gut. Auch die Stockrose – die man ja eigentlich nicht im Kübel pflanzen kann – gedeiht wunderbar. Ich bin sehr gespannt ob das so bleibt. Herausragend benimmt sich meine Rose. Ursprünglich ein kleiner Topf aus dem Discounter, der Mann schenkte sie mir, gab ich ihr draußen eine Chance: Mehr Platz um die Füße, Lavendel zum Nachbarn. Sie dankt es sehr. Schon jetzt sind 12 Blütenköpfe an der Pflanze, auch ist sie enorm gewachsen.
Was mich aber so richtig freute: Ich habe den – nach wie vor unkundigen – Gartenterroristen Unrecht getan: ‘Meine’ Pfingstrose (Im Aussenbereich im Gartenstreifen, ich pflege sie seit Jahren) ist noch da! Vor ein paar Tagen erst erkannte ich ihr Blattwerk im Gesträuch – so glücklich darüber! Heute bin ich dann wie ein Berserker über die Quitte hergefallen – verdammte Neophyten! – Die von-wem-auch-immer gesetzten Quitten waren nie zurückgeschnitten worden und hatten sich expansiv, wie es ihre Art ist, in alle Richtungen ausgebreitet und die Pfingstrose schlicht überwuchert. Wurzelwerke auszugraben ist nun wirklich nicht mein Job und auch nicht mein Ding, doch habe ich sie radikal am Wohnplatz der Päonie bis zum Boden heruntergeschnitten bzw ausgedünnt. Ich habe sie also mal eben um anderthalb Jahre zurück geworfen. Anderthalb Stunden Arbeit, die sich lohnten. Die alten trockenen Pfingstrosenstiele habe ich bei der Gelegenheit gleich mit entfernt, den Päonien ein Stützband gegeben, damit sie der nächste Regen nicht an den Boden schlagen kann. Jetzt kann man den Strauch wieder sehen und er hat Licht und Luft. Das Einzige, was ich nun noch für ihn fürchte sind blöde Nachbarn, die Blütenstängel abschneiden, en Masse und vor der Zeit …

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Auch sonst ein schöner Tag – Es ist warm draußen. Alle Türen offen, die Katzen sonnen sich, wir genießen ein Frühstück mit viel Licht. Am Abend eine Einladung zum Essen auf Corona-Art: Wir bestellen im Lieblingsrestaurant vor und holen zur vereinbarten Zeit ab. Der Beelitzer Spargel ein großes Vergnügen, das Schnitzel dazu auch.

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Was weniger glücklich macht, ist der Lockerungswettbewerb da draußen. Auch die Idiotendemos lassen einen eher verzweifeln. Erschreckend. So viele, die nach wie vor nicht kapiert haben, wie dieses Virus sich verbreitet. Macht mir Sorgen. Was wir bisher halten konnten – handhabbare Infektionsraten, im Verhältnis geringe Todesopferzahlen – ist im Handumdrehen zu gefährden, ist eben nicht auf dem Status einbetoniert wie Schillers Glocke. Die weit verbreitete Unkenntnis und daraus folgende Unvernunft stellt mir die Nackenhaare. Auch: Sie schränkt mich persönlich ein. Je mehr Menschen glauben, es wäre nun alles fast vorbei, desto stärker muß ich mich vom diesem allgemeinen Wahnsinn isolieren um nicht mich und die Meinen mit in den Strudel zu ziehen – eine Lage, die mich persönlich sehr belastet. – Der alte Seufzer … Ich wünschte, die Welt wäre vernünftiger und sich der realen Gefahr bewußter.

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Meine persönliche Lage? Nun, ich muß mir eine Turnmatte kaufen, meine Trainings daheim abfeiern. Mein Muskeltonus hat unter den letzten Wochen schwer gelitten. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist absolut im Eimer, die Seelenlage geht in Richtung manisch-depressiv: Extrem aktive und produktive Phasen wechseln mit Zeiten von Lasst-mich-alle-in-Ruhe-und-mich-auf-dem-Sofa.
Immerhin hab’ ich’s auf dem Schirm. Werde sehen wie weit ich im Stande bin mich einzuwohnen in dieser unterm Strich einfach bescheidenen Situation. Nunja. Da bin ich nicht die Einzige.

1 Kommentar

  1. Hallo, ja der Garten hilft. Das angenehme ist schnelles Ergebnis in absehbarer Zeit.
    Unterscheidet sich angenehm von vieler sonstiger Arbeit.
    Meiner fragt mich auch schon, ob ich krank bin . Zu Viel Fürsorge.!
    Ansonsten möchte man sich nach wie vor ein anderes Volk suchen.
    Geht leider oder wem auch immer sei Dank nicht.
    Der Irrsinn geht weiter.
    Die Idee besserer Bildung scheint vergessen . Hat einer eine Idee die Zeit der Aufklärung zurück zu holen?
    Oder wenigstens mal wieder darüber neu zu denken?
    Ich hatte eine nette kleine Kontroverse
    mit einer Lehrerin über Schule in Coronazeiten. Werde ich mal erzählen.
    Jetzt werde ich erst mal die Eisheiligen
    austricksen.

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