Frustriert – Pandemiejournal Tag 28

Ich habe immer schon gerne und gut gekocht – wenn ich es tun konnte, weil mir danach war und nicht weil ich mußte. Jetzt kommen noch ganz andere Finessen auf. Das ist sicher so, weil die anderen Linien von sinnlicher Erfahrung in Folge dieses Mistviechs von einem Virus so auf dem Bauch liegen: Ich kann nicht ins Solarium, kann nicht schwimmen gehen, kann die Freunde nicht in die Arme schließen.
Da wird es plötzlich soviel wichtiger, was es zum Abendessen gibt.
Wohl dem, der auch noch die Chance hat sich mit seinem Lebens- und Wohnungspartner zu vergnügen …

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In meiner Wohnung gäbe es nach wie vor viel zu tun, doch hänge ich in diversen Liefer-Warteschleifen. PVC für den Küchenboden kommt frühestens am Monatsende, die Pflanzen für den Balkon kriege ich nicht vor dem 14. – if even- auf meine Schränke werde ich mehr als 6 Wochen warten müssen. Und die hohe Leiter – damit ich wenigstens endlich den Flur und die eine Wand im Schlafzimmer streichen kann – kriege ich nicht vor Ende der Woche. Die Lieferung der Klickfliesen für den Balkon ist nicht einmal angekündigt – bin gespannt, wann die kommen werden.
Und wenn es ganz blöd kommt, dann prasselt das alles auf einmal Anfang Mai auf mich ein, und ich darf mir dann den Kopf darüber zerbrechen, wie und wo ich das alles lagern soll bis es zum Einsatz kommt. Grmpf.
Dagegen blitzartig: Die Lieferung von Katzenstreu und Katzenfutter. Der fröhliche junge Mann schert sich einen Sch… um 1,5 Meter, fragt (auf Englisch), ob er mir helfen solle und klascht mir auf meine Verneinung hin die beiden Pakete auf die Arme, auf 60 Zentimeter Distanz, überfährt mich damit total – ein Blitz von alter Normalität, erfrischend wie eine leichte Brise im Hochsommer. Ich reagiere in alten Mustern – und mache mir danach Gedanken, was das denn war? Immerhin: Keine sechs Sekunden, also wird wohl nichts passiert sein, selbst wenn etwas hätte passieren können.

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Habe zwei Nähprojekte auf dem Tisch, die mir am Herzen liegen – und komme nicht dazu. Es hagelt aus dem Freundes- und Bekanntenkreis die Bitte um Masken, ich kann die Dinger schon nicht mehr sehen, obwohl ich sie für sinnvoll halte (Wenn jeder die anderen schützt, sind alle geschützt.)

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Langsam breitet sich eine Traurigkeit aus, die unter allem liegt – erst mal kein Ende absehbar, Urlaub nicht planbar, Aufträge – abgesehen von Systempflegen – bis auf wann-auch-immer vertagt … Es ist schwer den Kopf oben zu behalten. An guten Tagen 6/10, öfter 5/10. Beschissen für einen sonst soliden 7-8/10.
Die allgemeine Unruhe hat auch mich erreicht. Fühle mich nicht mehr besonders gut, wenn ich einkaufen gehe, war von den Tabakbeschaffungsmaßnahmen – drei Läden, bis ich mein Zeug kriege – so gestresst, daß ich nun auch das online regle.

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Schön ist verdammt nochmal! sehr anders. Bitte beeilt euch mit dem Finden eines Impfstoffes oder eines Medikaments, das dem Biest die tödlich Spitze nimmt! Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich kann die häusliche Isoltion sicher noch bis Ende Juni ertragen ohne die ersten Anzeichen von Durchdrehen verzeichnen zu müssen. Auch halte ich die laufenden Maßnahmen für sinnvoll und richtig.

Glücklich ist aber anders. Ich habe so die Schnauze voll … Woche 5-6. Ich bin es so müde.

P.S. Die Katzen fragen sich mittlerweile auch – und zeigen mit das mit beklppten fünf Minuten alle zwei Stunden – warum, zum Teufel! ich neuerdings 24/7 in ihrer Wohnung herumhänge und ihren Entfaltungsraum durch Ordnungsrufe deutlich begrenze.

4 Kommentare

    1. Weil ich seit dem 11.3. in der Isolation hocke – Erkältung zu Beginn der Pandemie. Was nicht ausschließt, daß ich mich um einen Tag verzählt habe. Ist dann aber auch egal.

  1. Ich seit dem 14. März, meinem Vater zuliebe, der Hilfe braucht. Und bei uns sind die Regeln noch etwas strenger – zu zweit draußen geht nur, wenn die andere Person im selben Haushalt lebt oder eben Hilfe benötigt. Ansonsten darf man nur alleine raus (und mit der eigenen Familie nur, sofern die im selben Haushalt lebt).

    1. Eben. Hilfspersonen sind ausgenommen. Ich definiere die Freundin – artig auf anderthalb Meter – unbedingt als Hilfsperson, wenn ich kurz davor bin durchzudrehen.

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