Käfighaltung

Seit Tagen dieses angeschlagene Gefühl, ich werde nicht krank und fühle mich doch nicht gesund. Ganz blöde Kiste! Denn was macht man in einer solchen Lage mitten in einer Pandemie? Man bleibt zu Hause.

Es ist schon seltsam – ich kann gut allein sein, brauche das sogar, und bin daran gewöhnt in meiner Wohnung zu sitzen, denn auch mein Arbeitsplatz ist dort. Gerade kommt aber arbeitstechnisch absolut nichts in Fluss. Entscheider können sich nicht treffen um über eine Auftragsvergabe zu entscheiden, alles ist on hold und abzuwarten. Proportional steigen die finanziellen Sorgen. Und es gibt just nichts, was ich dagegen tun könnte. Machtlosigkeit. Auch kein gutes Gefühl.

Ich stelle fest, daß dieselbe Situation – zu Hause zu sein – sich unter veränderten Vorzeichen völlig anders anfühlt. Phasen der Hyperaktivität (meine Wohnung war nie sauberer) wechseln mit langen Perioden, in denen ich mich quer durchs Netz lese. Sich friedlich einen Film ansehen, geht gar nicht. Eine innere Unruhe macht mir zu schaffen.
Natürlich kann ich nicht schlafen – kriege maximal vier bis fünf Stunden zusammen – werde aber auch einfach nicht müde.

Der Liebste hilft mir da auch nicht weiter. Auch er ist angekränkelt. Liegt er stundenlang mit dem Laptop auf der Brust auf meinem Sofa, kaum ein Wort an mich richtend, ein Lächeln schon gar nicht, seine deutlich angefressene Laune wie eine Wolke um ihn herum, macht mich das eher noch nervöser – obwohl ich ihn gut verstehe! Aushalten kann ich das trotzdem nur begrenzt.
Dann stehe ich nachts in der Küche und bereite ein Hackfleischcurry für unser Abendessen morgen, und muß mir eingestehen, daß dabei die Hoffnung mitschwingt eine Freude zu machen, ein herzliches Lächeln zu sehen – und das vermutlich wieder nicht klappen wird. So langsam werde ich melancholisch bis traurig.

Dazu kommt die Sorge um meine nicht gesunde Mutter (Hochrisikogruppe), die ich nun nicht besuchen kann bis auf Weiteres – ich könnte ihr sonstwas anschleppen … Verdammt!
Unter Alldem liegt eine Schicht von Kontrollverlust. Nichts ist im Moment mehr planbar, kein Urlaub, kein Treffen, kein Job. Wie gefesselt hängt man in diesem Netz und kann nur warten. Warten zu können war nie meine größte Stärke. Das kann ich nur gut, wenn Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.

Diagnose: Lagerkoller.
Vielleicht sollte ich mir morgen den Mann schnappen und mit ihm einfach mal ein, zwei Stunden spazieren gehen – mit reichlich Abstand zu den Mitmenschen.