Afrikanisch? Eher nicht.

S. und ich sitzen auf meinem Balkon und trinken Wasser mit viel Eis. Ein heißer Tag, die Blinds sind unten und festgebunden.
Shari kennt meinen Besucher, hängt aber noch zwischen Neugierde und Vorsicht.
Hinter den Bambusrollos schleicht sie über die Blumenkästen, auf dem Weg zum Katzenhochsitz mit Kissen, ganz vorsichtig und langsam. S. und die Katze nehmen Blickkontakt auf. Ein Spiel – Shari – wie immer freundlich – spielt erst einmal mit, kommt nahe, schaut hin. Keine Ahnung, was meinen Besucher reitet, aber er reisst plötzlch die Augen auf, rollt mit denselben und zeigt ein breites helles Lächeln in einem dunklen Gesicht.

Diese plötzlche Aktion, dieses Gesamtbild, war eindeutig zuviel für meine Lieblingskatze – »Weg. Nur weg!« war offenbar ihr einziger Gedanke. In der Folge geht alles sehr schnell. Shari verliert in wilder Flucht Tritt, rutscht ab und fällt ins Katzennetz, das auf die plötzlche Belastung mit 4,7kg nicht ausgelegt ist. Die Haltestange rechts gibt nach und fällt nach außen, das Sicherungsseil, das eben dies verhindern sollte, reißt. Die panische Katze hängt in der so entstandenen Hängematte und schaut aus entsetzten grünblauen Augen zu mir auf. Derweil steht der Kater in der Terassentür und äugt auf das Geschehen …

Zúerst: Balkontüren zu. Was ich jetzt sicher nicht brauche, ist ein neugieriger Kater. Der ist also schonmal innen gesichert.
Mit ruhiger Stimme nähere ich mit meiner Shari in misslicher Lage. Daß S. mir nun zu helfen trachtet, ist eine ganz dumme Idee. Er war der Auslöser des Schreckens, die Katzen kennen ihn nicht gut. Mit lang ausgestrecktem Arm dränge ich ihn ab »Bleib’ mal gerade ganz weit weg von hier!«

Vorsichtig lege ich meine Hände auf meine Lieblingskatze, singe freundliche Lieder – »Allles gut. Ganz ruhig.«
Sie läßt sich von mir anheben, doch das ‘Weg, nur weg! ist noch laut genug um für schwere Kratzer auf meinen Unterarmen zu sorgen, sobald sie die sichere Wohnung wieder im Blick hat. Tür auf, Katze drin.

S. und ich richten die Stange wieder auf. Ich flicke das Netz und setze alles wieder in Stand.
Die augepuschelten Tiere werden mit Leckerlis und Streicheleinheiten versorgt. Bald ist alles wieder gut.

Ich aber stehe kopfschüttelnd vor dieser Situation. Ein Afrikaner, der derart unklug mit Katzen umgeht? Selbst in der kleinsten Hauskatze sind noch die Raubtiergene.
Lieber S., falls du einmal einen Leoparden oder Löwen triffst, bist du hoffentlich klüger … Flucht oder Angriff sind die Varianten. Augenrollen könnte also nach hinten losgehen.

2 Kommentare

  1. Katze im Netz… 😉

    Viele Asiaten glauben, dass alle Deutschen Boxer seien. Hat wirklich jeder Mensch aus Afrika Erfahrungen im Umgang mit Großkatzen? (Jaguar, Cougar und Pantera zählen nur bedingt.)

    1. Natürlich nicht jeder. S. aber schon. Auch wachsen die Kinder in der Gegend, aus der er kommt, mit Verhaltensregeln gegenüber Wildtieren auf. Aber vielleicht habe ich das falsch gesehen, und das war es gerade! Eine Großkatze in die Flucht zu schlagen, ist ja nicht verkehrt. Aber warum machst du das mit einer Kleinkatze, die qua Örtlichkeit nicht flüchten kann? 😉

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