Corona, eine Nachlese

Heute über eine Dokumentation zur Pandemie gestolpert: Schockwellen – Nachrichten aus der Pandemie, ein Film von 2021. Es fühlt sich so irre an das alles noch einmal Revue passieren zu lassen, auch an den eigenen Texten. Daß die meisten von uns es überstanden haben, das ist im Grunde phantastisch, im Sinne des Wortes. Mehr als ein Jahr ist damals vergangen, unter verschiedenen Maßnahmen und Lockdowns, bis ich meine erste Impfung bekam. Ein Jahr unter Unruhe, auch Angst, unter Druck und mit zuviel Alleinsein.
Weltweit starben fast vier Millionen Menschen an Corona, in Deutschland waren es etwa 90.000. 2 Jahre, 9 Monate, 19 Tage bis Drosten sagen dürfte »Nach meiner Einschätzung ist die Pandemie vorbei.«

Meine Mutter ist im Dezember ’22 gestorben, nach allem, was wir wissen, zwar mit aber nicht an Corona – mittelbar aber schon. Ich bin bis heute überzeugt, daß ihr der Lebenswille zusammenbrach, weil ich sie nicht mehr besuchen dürfte. Ich selbst bin nie an Corona erkrankt soweit ich weiß. Doch werfen diese Jahre bei mir lange Schatten bis ins Heute. Die IBB will von mir die Coronahilfen zurück. Mein Kundenstamm ist bis heute nicht auf das Niveau von vorher zurückgekehrt, mein Laden hat sich also nicht davon erholt, allen Bemühungen zum Trotz. Im Juni ’23 habe ich mich noch nach besten Kräften um die an Corona erkrankte Freundin gekümmert, die gottseidank einen milden Krankheitsverlauf hatte.

Was mir auffällt: Wir sind alle scheuer geworden, ganz und gar unbewusst. Rein äußerlich ist das Leben auf den Stand von vorher zurückgekehrt, doch bei genauerer Betrachtung spürt man die Risse. Um mit Loriot zu sprechen: Früher war mehr Lametta. Wir haben uns öfter getroffen, die Freunde und ich, mehr unternommen. Insgesamt waren wir alle irgendwie … lebhafter, umtriebiger. Ich spüre das auch in mir selbst: Es ist schwieriger geworden sich zu etwas aufzuraffen, als habe man sich auf einer tieferen Ebene an weniger soziales Leben gewöhnt.

Ich bin dankbar, daß die Pandemie hinter uns liegt, aber unbeschadet davon fühle ich mich nicht. Ihr?


Bildquelle: Pixabay

3 Kommentare

  1. Zunächst mal ohne Seele.
    0,05 % der Weltbevolkerung in mehr als zwei dreiviertel Jahren, so richtig gefährlich klingt das für eine Pandemie nicht.
    Bedrohlich ist das Krisenmanagement.
    Ziel: Alles wie vorher ist Rückschritt. Übrigens auch jetzt. Chancen verpasst neue Entwicklungen zu befördern, nicht nur zu beharren.
    Die eigentliche Pandemie ist unser Festklammern am Alten. Rituale, Besitzstandswahrung, Angst vor Neuem und Unbekannten.
    Uns ist die Neugier, der Schneid und die Kreativität abhanden gekommen.
    Von ersteren die drei ersten Buchstaben gestrichen……
    Der Rest bleibt und ist kein guter Weg,
    Wer sagt was rechts und was links ist? Der, der er – oder behalten will.
    Ich stimme zu wir sind asozialer, unsolidarischer menschenfeindlicher geworden.
    Die Pandemie hat es gezeigt, nicht bewirkt.
    Energiewende, Zuwanderung, Digitalisierung, Trump alles vor der Pandemie. Wie also ausgerechnet die dafür verantwortlich machen.

  2. Dann hänge ich alter Atheist mal noch das Erzbistum Köln daran:

    „Am 6.. Tag schuf Gott den Menschen, als Mann und als Frau. Und Er sagte: „Seht, ich schenke euch die ganze Erde.“ Und wie zu den Tieren, so sagte Er auch zu den Menschen: „Seid fruchtbar“.
    Der Schöpfungsbericht beschreibt: alle Lebensräume, Wasser, Luft und Erde, sind erfüllt von Leben: an alle ist gedacht, für alle gibt es genug zum Leben.

    Der Mensch nimmt unter den Geschöpfen eine besondere Rolle ein: er gleicht dem ‚Schöpfer‘, ist Mit-Schöpfer des weiteren Welt-Verlaufs. Dabei ist er Hüter, nicht Aus-Nutzer, der Welt.“
    Klingt ganz gut.
    Das könnte eine gute Pandemie werden .
    Die sollte auch nicht behandelt werden.

  3. Wäre meine persönliche Erlebniswelt repräsentativ, würde ich der Pandemiezeit einen eklatanten Zuwachs an Intoleranz, der mangelnden Bereitschaft, Faktenwissen zu erwerben und Angst diagnostizieren. Doch ich vermute, dass diese Eigenschaften bereits vor Corona existierten. Sie wurden nur – ähnlich einem Kontrastmittel – deutlich in den Vordergrund gestellt. Und blieben dort…

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