Schwer erziehbar

Der kleine Rappelkatzer ist ein schwerer Fall: Er begreift Verbote beinahe sofort – nur interessieren sie ihn nur für die nächsten dreißig Sekunden. Folgerichtig hat er mir die längste Verlustliste beschert, die eine Katze je bei mir hatte (Es gibt immer eine – Jungtiere zu erziehen ist nicht einfach)

  • Die eher teuren und – für den Menschen – sehr praktischen Silikonnäpfe mußte ich außer Dienst nehmen: Er schlörte sie durch die ganze Wohnung um seiner Forderung nach Nachschub Nachdruck zu verleihen. Obendrein eignet sich das Material aus seiner Sicht phantastisch zum Kauspielzeug. Als er einen der Deckelgriffe abbiss und einen Teil davon frass, mir diesen Teil Stunden später kotzend wieder vor die Füße legte, war Schluß. Fazit: 3 von 6 Näpfen und Deckeln total zerbissen und vernichtet, der Rest potentiell gefährlich für einen von dreien – ergo: aussondern. Bissfeste neue Schalen anzuschaffen war dank Action nicht so teuer. Fazit: 30 Euro vernichtet, für 8 Euro Neuanschaffung gesorgt.
  • Der Sofabezug, den der Kleinkater qua Kratzmarkieren nunmehr auf dem Gewissen hat, war nicht einer meiner teuersten – subsumma, mit Färbung, dürfte er mich um die 60 Euro gekostet haben. Vernichtet ist er nun – ausgezogene Fäden allenthalben. Kater gewöhnt sich inzwischen die Kratzerei dort – meiner Erziehungsarbeit geschuldet – langsam ab, aber der Bezug ist hin.
  • Das Bad ist für alle unbetretbarer Raum, wenn ich nicht ebenfalls dort bin. Nur kann der Kleene Türen mit normalen Klinken öffnen. Das kostete mich meinen ägyptischen Parfümflakon. Unbezahlbar, weil ideeller Wert. In der Folge Drehknöpfe an allen Türen, Kostenpunkt ca. 60 Euro.
  • Es stellte sich sehr schnell heraus, daß die bisherige Balkonvernetzung dem kleinen Rabauken nicht gewachsen sein würde. Das neue Netz wartet auf dem Balkon auf seinen Einsatz, ca. 40 Euro – ohne Aufbau-Arbeitsstunden.
  • Die Nachbarin schenkte mir einen winzigen Kaktusspross, ich zog ihn liebevoll, gerade hatte er begonnen zu wachsen, da schmiss der Rabauke ihn von der Fensterbank – leider so, daß die Wachstumszone der Pflanze zu Matsch wurde. Totalverlust.
  • Die Lage zwischen meiner Katze und dem Neuzugang ist nach wie vor eher unentspannt. Das kostete mich eine Blumenvase, Inhalt inklusive, ca. 20 Euro.
  • Katz auf dem Arm zur Ordnung rufen. Jener findet, eine Halskette sei der perfekt Ort zum Dranhängen – wieder 20 Euro beim Teufel.
  • Gefühlte 200x den Kater von der Arbeitsfläche in der Küche geschubst – pro Tag, bittesehr. Heute bin ich im Klientengespräch, mit begrenzten Mögichkeiten der Intervention, und verliere eine Tupperware-Butterdose (Verschluss zerstört), wieder 20 Euro.
  • Es muß doch irgendwie möglich sein auf dieses Regal zu kommen… – die letzen 10 Versuche warfen mir diverse Öle zu Boden, doch blieben sie unbeschadet. Nicht so gestern. Olivenöl 11 Euro, unrettbare Teppichfliesen ca. 60 Euro.
  • Ich kaufte mir kürzlich einen Klappstuhl für die Nähwerkstattt – Platz ist da knapp. Kater hat die Sitzflläche binnen kurzem total zerschlitzt, von mir bis gestern unbemerkt. Kostenpunkt: 25 Euro
  • Saldo bisher 270 Euro – und da ist noch keine Rede von Kastration, Impfungen, Chip und von explodierenden Futterkosten.

Schritt für Schritt zeigen meine Erziehungsbemühungen und Interventionen Wirkung, doch geht es durchaus zäh und eher langsam.
Fazit: Überlegt euch die Anschaffung eines Jungtieres gut – Tierarztkosten sind nur ein Teil vom Spaß …

6 Kommentare

  1. Unser “Ein erwachsener, schmusiger Kater” haben wir nur in einem einzigen Punkt nicht über den Haufen geworfen: “erwachsen”. Wenn ich das lese, bin ich froh drüber! Es reicht auch so mit dem Nerv.
    Übrigens: das mit dem Wasser hat nicht funktioniert. Insofern, als unser Mauski ohne je wirklich einen Strahl abgekriegt zu haben das Pumpgeräusch identifiziert und als “Ohgottogott” abgespeichert hat. Leider verbunden mit “Mensch” statt mit “Elsa in Ruhe lassen”.
    ES ist zum Glück nicht so, daß er uns jetzt grundsätzlich noch mehr mißtraut – aber so, daß er genau guckt, wo wir sind und ob wir’s mitkriegen, bevor er Elsa angeht.
    Der ist zu schlau für uns ….

  2. Kenne das Problem – mitunter ist es eine Pest ein kluges Tier zu haben. Ich muß auch noch immer dazwischen – die Attacken auf der Toilette sind noch nicht zu 100% Geschichte, aber es wird.
    Im Moment wird es dich nicht trösten, doch: Katzenbeziehungen ändern sich auch nach Jahren noch. Shari und Leo haben auch sehr lange gebraucht bis sie miteinander auskamen. Geduld und Konsequenz sind die einzig möglichen Mittel. Manchmal eben viel länger als uns Zweibeinern lieb ist.

  3. Ja, das weiß ich wohl, denn beim Kilian und dem Dicken war es auch so, daß es Jahre gedauert hat … und doch….
    übrigens: habe Deinen Anruf bemerkt und mich drüber gefreut, aber bin durch laaaaange und coronabedingt sehr heftige Arbeitswoche (man bervorratet sich als sei die nächste Hungersnot in Sicht) sowie vollstes Wochenendprogramm alles andere als kommunikativ.
    Melde mich, sobald mein mentaler Zustand es zuläßt (denn prinzipiell habe ich durchaus Lust auf ein längeres Gespräch – nur momentan grad so garnicht!)

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