Frühling. Morgenluft

Die Katzen trommeln mich aus dem Bett (»Wird das noch `was mit Frühstück heute?«). Routinegriffe: Kaffeemaschine anwerfen, fürs spätere Duschen die Heizung im Bad aufdrehen, Balkontür auf.
Huch! Warme Luft! Sonnenschein!
Hier geht Sonne vor Dusche. Immerhin habe ich ärztliche Anweisung mich so viel wie möglich dem Sonnenlicht auszusetzen. Wie schön das ist – in Socken und Nachtgewand mit dem ersten Kaffee auf dem Balkon zu sein ohne zu frieren! Auch die Tiere sind schnell auf ihren angestammten Plätzen – Merlin auf dem Kratzsessel, Shari am Hochsitz, Leo auf der Bank.
Natürlich ist der Laden wieder voller Haare und Katzenverstreu (kein Tippfehler!). Katzenkisten reinigen und Brüllbesen schwingen im Nachgewand kommt den Katzen entgegen, denn den Balkon sauge ich nicht jedesmal im Hemd, und das wissen sie.

Dusche. Müllentsorgung. Danach ein wenig Berufsarbeit. Am Nachmittag ein längerer Spaziergang in Begleitung, eine handvoll Einkäufe, darunter Sonne auf Stengeln (vulgo: Narzissen), noch ein Kaffee am Balkon, dann noch ein wenig Berufsarbeit.

Der Abend ist eigentlich für den Balkon zu kühl, doch es ist so verdammt schön da draußen. Finden die Tiere auch – alle da. Wish you were here und viel hin und her im Kopf.

Abendessen entsprechend spät und sehr spontan: Tomatensugo – rote Pesto, rote Zwiebel, Olivenöl, Thunfisch, Estragon, Salz, Pfeffer, etwas Wasser, ein Schluck Vodka, eine handvoll kleine Tomaten fein geschnitten, ein paar Spritzer Worchestersauce, Geduld beim Einkochen, dann ein guter Schluck Sahne, Spaghetti. Die Felidae freuen sich über den Thunfisch.

Spät ein Gespräch mit der Berliner Freundin, noch später eines mit dem Pankower Freund.

An den Fakten hat sich nichts geändert, dennoch geht es mir deutlich besser als noch vor ein paar Tagen. Ich kann mit sehr wenig auskommen, wenn ich nichts mehr erwarte.
Die Tagesnachrichten zu meiden wie die sprichwörtliche Pest scheint eine gute Strategie. Ich höre euch wieder zu, wenn ihr vernünftig geworden seid.


Die Kraniche sind zurück, die geretteten Hortensien trieben binnen weniger Tage neu aus.
Erweiterter Münchhausen (‚An den eigenen Haaren aus dem Sumpf‘.) mit Hilfe der Natur und meiner Tiere.