Übungen im Umfange des Kunstflugs

Es ist nicht gut, wenn ich mich in die Enge getrieben fühle. Drohungen bewirken Widerstand. […]
Es dauert einige Zeit, bevor ich zu der Frage gerate, warum ich denn überhaupt widerstrebe. Und da verblasst das Gewäsch von Würde und der Selbstachtung. Das ist der Punkt. Und dort muß die Argumentation beginnen, oder eben nicht. Warum will ich denn nicht, und was will ich dann?

So schreibt der Texaner.

Oh, wie gut ich das kenne. Der Punkt, die Argumentation, was man will. Ganz klar. Nur so geht es. Würde und Selbstachtung können damit zu tun haben, müssen aber nicht. Die Erfahrung, vor allem mit sich selbst, die hat aber damit zu tun.
Ich selbst verweigere mich Druck nicht aus Chuzpe oder aus Trotz, nicht einmal aus Unwille. Vielmehr weiß ich genau, was ich kann – und was ich nicht kann. Und was passiert, wenn ich versuche mich zu etwas zu zwingen, zu dem man mich drängen möchte, das aber einfach nicht zu mir passt. Das endet nicht nur für mich nicht gut ….
Mein Leben, mein Charakter, mein innerer Schweinehund, meine Hilfskonstruktionen, die preußische Erziehung, der 131er und noch so dies und das – wir alle konstituieren eine Kiste, die keine Schönheit ist, aber mit kurzen Start- und Landebahnen auskommt, Scherwinde aushält, Gewitterfronten durchfliegen kann. Zäh wie die alte Tante Ju, jede Schraube vertraut.
Nee, Freunde, da lass’ ich nur den Hausmechaniker dran und geh’ nicht mehr in jede Wetterfront, nur weil sie da ist. Übungen im Umfange des Kunstflugs – okay. Kunstflug mit allen Schikanen – scusi, das Thema ist durch. Ich liebe diese Maschine. Hier werden keine überzogenen Kurven mehr geflogen, hier muß nichts mehr bewiesen werden.
Soweit klar?

Ein Pilot, der ohne Not in eine Sturmfront fliegt, ist ein Idiot.

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