Verbrannte Zeit

Dreieinhalb Jahre sind keine gute Halbwertszeit für einen Drucker – wobei, Halbwertszeit ist ja Quatsch, das Ding ist mir jetzt um die Ohren geflogen. Daß ich ziemlich sicher bin, daß der Grund rein softwareseitig ist (Stichwort: geplante Obsoleszenz) hilft mir leider gar nichts. Ein EProm in einer Blackbox zu flashen übersteigt meine Möglichkeiten. Aus Neugier fragte ich die vom Hersteller gelisteten Reparaturdienste an – wie erwartet übersteigen deren Preise den Zeitwert des Druckers, sogar dann, wenn man die Patronen dazurechnet. Fax kann ich über meine Fritzbox lösen, scannen, kopieren, WLAN-Anbindung, Duplexautomatik sind hier unverzichtbar – nie wieder will ich gefühlte hundert Jahre im Flur stehen und Blatt für Blatt wenden. Nun werde ich also notgedrungen einen neuen Drucker anschaffen. Was mich aber am Meisten nervt: Stunden an Recherche und Tests zur Wiederbelebung der Maschine – ohne Erfolg, noch einmal Stunden zum Auffinden eines halbwegs vernünftigen Neugerätes, bei dem man nicht fragen muß »Wo ist die Vergoldung?« Daß ich so oder so eigentlich kein Geld für solche Querschläge habe – geschenkt. Ich komme ohne ein solches Gerät nicht aus (Schöne Grüße an die ach-so-digitale-Republik!), hilft also nix.
Ähnlich sieht es mit dem Providerumzug aus: Wenn ich den irren Neupreis meines alten nicht zahlen will, muß ich umziehen. Auch das war eine umfangreiche Recherche und wird deutliche Arbeitsaufwände nach sich ziehen. Sollte diese Präsenz also irgendwann in den nächsten Tagen nicht erreichbar sein – nicht wundern, und mir bitte die Treue halten – sie wird unter der bekannten Adresse wieder auftauchen, ich muß allerdings mit bis zu 72 Stunden Ausfall rechnen. Übergangsadresse – bis alle Transfers sauber eingerichtet sind – könnte nightcat-one.de werden. Ich bin jetzt schon gespannt wieviele meiner Stammleser ich wohl nach dem Umzug noch wiedersehen werde. Nunja. Nach Reichweiten gejagt habe ich nie.
Was so richtig nervt an solchen Tagen: Von Dritten angetragene Querschläger verbrennen Zeit und Nerven, nur um einen Zustand wieder herzustellen, den man bisher hatte. Verbrannte Zeit.

Da freue ich mich darüber, daß Wohnungsreinigung, Katzenpflege, Einkauf, Bewegungsprogramm und hübsches Abendessen erfolgreich erledigt wurden. Damit ist es dann kein völlig verbrannter Tag gewesen. Jedenfalls rede ich mir das ein. Und verfluche nicht zum ersten Mal die Marktwirtschaft, die Knebelung von Kunden über das Nach-Hause-telefonieren von Geräten, seltsame Software aus aller Herren Länder und vor allem anderen die Gier, die jegliche Kaufmannsehre wahrlich wie ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert aussehen läßt. Der Wirtschaft ist allenthalben der Anstand verloren gegangen.

Lustiges Faktum in dem Zusammenhang: Es gibt Software auf meinen Maschinen, die quasi uralt ist. Einfach weil ich die letzten jeweiligen Versionen nutzen wollte und will, die mit niemandem telefonieren. Stand alone, nennt man sie. Laufen.

I am a dinosaur. Awake. Furious. Stubborn. Blackmailed. (Wach. Zornig. Stur. Erpreßt.)

6 Kommentare

  1. Ist schon ein Jammer mit der Druckerei. Man sollte mal Zählen, wieviel Seiten man braucht. Möglicher Weise ist die Nutzung eines entsprechenden Geschäftes, lässt man Umstände und Faulheit bei Seite, eine kostensparende Alternative. (Grinsen über. Selbstkritik)

    1. Wenn es nur das wäre. Ich brauche aber sehr oft den Scanner, und auch wieder den Drucker als Kopierer. Lauter Einzelgeräte sind da nicht sinnvoll, also läuft es wieder auf eine Kombikiste hinaus, die ich wirklich benötige.

    1. Mit meinem Miethai bin ich im Dauerstress, und bei denen bedarf so ziemlich alles der Schriftform und Schneckenpost, was nicht bei drei auf dem Baum ist, jedenfalls aus meiner Sicht. Auch sind viele Unternehmen – von Ämtern ganz zu schweigen – noch nicht wirklich in Digitalien angekommen. Also auch hier: Nur, was du schwarz auf weiß besitzt, darfst du getrost nach Hause tragen.🙂Noch finsterer sieht es bei Gerichten aus. Die Klage auf Zustimmung zu einer Mieterhöhung hätte ich ohne eigenen Drucker nur als ständiger Bewohner eines Copyshops überlebt: Alles ‚papierpflichtig‘ und in dreifacher Ausfertigung. Furchtbar!
      Ab und an möchte ich auch besonders gelungene Photos ausdrucken können, und schließlich kommt es vor, daß ich Kleinstauflagen von Flyern für Klienten drucke. Ein gutes Multifunktionsgerät ist für mich aber vor allem anderen ein Stück Unabhängigkeit.
      Stillt das deine Neugierde?

  2. Du könntest mal bei Refurbed nach einem gebrauchten Drucker schauen. Mit meinem Laptop bin ich sehr zufrieden und der war wirklich hervorragend aufbereitet – neu hätte ich mir den nicht leisten können.

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