Die Queen macht sich Gedanken über Impulskontrolle. Interessant finde ich die Überlegung, das Konzept des Belohnungsaufschubs sei uns fremd geworden in Zeiten, in denen die Wunscherfüllung immer nur einen Klick entfernt ist. Das ist wohl so. Dazu gehört dann auch, daß uns die Idee von Geduld und Beharrungsvermögen fremder zu werden scheint, damit wird unsere Resilienz geringer. Wer eine Idee nach dem ersten Fehlschlag aufgibt, wird sie nicht mehr verbessern und weiterentwickeln.
Ich persönlich bin mit meiner Impulskontrolle gut befreundet, sie wird vor allem befeuert vom Nachhaltigkeitsgedanken, der mir wirklich wichtig ist.
Natürlich hätte ich für das gefundene Radio ein passendes Netzteil mit einem Klick kaufen können, aber warum soll ich nicht erst die Nachbarn fragen, die vermutlich mehr oder weniger alle eine Netzteilsammlung, übriggeblieben von verstorbenen Geräten, in der Schublade haben? Also Geduld, ergo Impulskontrolle. Gleiches gilt für meinen Balkonboden – noch immer sind ca. 2qm improvisiert. Funktioniert. Abbau des Provisoriums wird erfolgen, wenn mir passende Holzfliesen auf dem Gebrauchtmarkt unterkommen. Das wird früher oder später passieren. Auch hier Nachhaltigkeit und Impulskontrolle statt unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung.
Es gibt aber Felder, da gebe ich mir bewußt und gerne nach – der Belohnungsaufschub darf und soll ich Frage gestellt werden bei sinnlichen Genüssen, zum Beispiel. Ich kann mir das Carpaccio eigentlich nicht leisten, tue es aber trotzdem, weil mir sehr danach ist. Gut so! Ich bin nicht mehr jung (auch wenn ich mich noch so fühle, aber das ist eine andere Geschichte), mir könnte morgen der Himmel auf den Kopf fallen. Da sollte man starken Gelüsten ohne schlechtes Gewissen nachgeben. Was später bereut wird sind nicht die Dinge, die wir taten, sondern jene, die wir – obwohl gewünscht – unterließen.
So mag es also mitunter genau richtig sein der Impulskontrolle eine Pause zu gönnen. Könnte der Merlinkater lesen, würde er hier lebhaft nicken. Nach fast sechs Jahren hopst er mir noch immer bei der Futterverteilung dazwischen.

Was da in Berlin Alles zu FINDEN ist! Unglaublich!
Das kann man wohl sagen. Allerdings muß man dafür mit offenen Augen durch die Welt gehen und neugierig in jede Straßenrandkiste schauen.
Besonders irre finde ich meine Fundfrequenz bei Elektronik. In meinem Haushalt gibt es eine elektrische Zahnbürste Oral B, einen Multizerkleinerer, und einen Pürierstab von AEG – alle fand ich originalverpackt und versiegelt. Im blauen Zimmer steht eine Microanlage, die ein Fundstück ist – nur eine passende Fernbedienung mußte ich besorgen. Von dem gefundenen Fire TV Stick hatte ich ja schon berichtet. Ich profitiere von dieser Wegwerfgesellschaft – und von meinem aufmerksamen Blick.
Und eben, nicht zu vergessen, von Deinem Wohnort. Hier habe ich in solchen auch immer öfter zu findenden Geschenkekisten bisher nichts Brauchbares gefunden. Man versucht, selbst Puzzles mit fehlenden Teilen, fleckige Igittmatratzen, kaputte Elektrogeräte etc erstmal auf dem Flohmarkt zu verkaufen, und was in den Kisten landet ist meist Müll, den man nicht mehr in dieTonne kriegt … einmal aber habe ich 2 noch heile und gutaussehende Drahthängeregale (in Kleiderregale einzuhängen) gefunden.
Natürlich findet man in der Großstadt eher Brauchbares als auf dem Dorf, aber Müllkisten gibt es hier auch.
Als es noch regelmäßig Sperrmülltermine gab – kostenlos – ging ich in einer Kleinstadt zur Schule. Dort gab es ein Viertel, in dem nur reiche Leute wohnten. Zu den Abholterminen fanden wir dort ganze Wohnungseinrichtungen, unbeschadet. Die Wegwerfgesellschaft ist also keine Erfindung des 21. Jahrhunderts.
Aber wir kommen gewaltig vom Thema ab. 🙂 Wo versagt deine Impulskontrolle?
Die Kabelkiste gibt es sicher in 99 % aller Haushalte. Steht hier auch und der Mann unterdrückt tapfer den Impuls, alles an Elektronik da rein zuwerfen. Wir wären wohl keine gute Anlaufstelle für alte Netzteile aber immerhin gibt es auch keine kaputten Kabel. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist der größte Feind des unkontrollierten Ein-Klick-Konsums. Funktioniert bei mir ebenso gut. Und beim Essen darf der innere Kontroletti dann auch hier mal eine Pause machen, während man mit Haustieren offensichtlich die Impulskontrolle übernehmen muss. Das kommt mir sehr bekannt vor 😂