Bemerkungen über die Ratte

Das Berliner Gesundheitsamt macht sich Sorgen über die Rattenpopulation in der Stadt – sagt jedenfalls der RBB. (Seltsam, daß ich die Meldung von heute im Online-Portal nicht finden kann.)

Zunächst Fakten zum Tier: Die meisten der städtischen Ratten dürften Wanderratten sein (Rattus norvegicus), seltener sicherlich die Haus- bzw. Schiffsratte (Rattus rattus), die steht nämlich auf der roten Liste = vom Aussterben bedroht. Beide Arten sind Kulturfolger, fast ubiquitär, sind Allesfresser, ernähren sich allerdings überwiegend vegetarisch. Ratten sind soziale und intelligente Tiere, gute Kletterer und Schwimmer.
Die Ratte ist potentiell ein Krankheitsüberträger – Leptospirose und andere – da jedoch der unmittelbare Kontakt zwischen Mensch und Tier heute sehr selten sein sollte, spielt dies kaum noch eine Rolle. Für ihre Rolle als mechanischer Vektor von Erregern braucht es den Kontakt. Der Pesterreger wird nur noch in Populationen in Madagaskar nachgewiesen, und auch dort eher selten. Bei der Pest erfolgt die Übertragung über den Rattenfloh. Bei den heutigen hiesigen hygienischen Verhältnissen darf man wohl sorglos sein und bleiben.

Ich halte die Nachrichtenmeldung für ein typisches Sturm-im-Wasserglas-Thema. Die Tiere sind seit Menschengedenken in unserer Nähe – und es waren immer viele.
Sie sind schnell und schlau, und auch sie gehen uns im allgemeinen aus dem Weg. Setze ich mich nächtens in den Hof, muß ich sehr lange still sitzen bis ich sie sehe. Daß sie überhaupt kommen, ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Wenn die Trefferquote in Richtung Bio- bzw Mülltonne zu wünschen übrig lässt, muß man sich nicht wundern, wenn die Nager an den gedeckten Tisch kommen.
Wie man diese Langschwanzmäuse (Familie Muridae) eklig finden kann, ist mir ohnehin schleierhaft. Da könnte ich auch Hamster oder Mäuse eklig finden. Absurd.

Eigentlich ist es ganz einfach: Aufgeräumte und saubere Müllhöfe, keine wilden Kippen von was-auch-immer, keine Nahrungsmittel über die Kanalisation entsorgen. As simple as that.

Los werden wir sie nie, aber das ist auch gut so: Sie sind zum einen ein wichtiges Beutetier für viele andere Arten, zum anderen ein Teil der natürlichen Aufräumtruppe. Ich setz‘ noch einen drauf: Sie könnten mir über die Füße laufen und es würde mich nicht stören. Nur mit ihnen zusammenwohnen möchte ich nicht: Sie sind zu helle, und finden einfach alles, was eßbar ist. Stubenreinheit wäre vermutlich auch ein Problem … Und die Raubtiere, natürlich. 🙃


Bildquelle (Header): Wikipedia

9 Kommentare

  1. Wir brauchen 🐈‍⬛. 🙂Im Ernst, Ratten und andere Tiere siedeln sich da an, wo es Futter gibt. Wir hatten eine Ratte, die es geschafft hatte, unter der Bodenplatte des Hauses durch ein stillgelegtes Abflussrohr in den Keller zu gelangen. Der Futterplatz war direkt nebenan, das immer gut gefüllte Vogelhäuschen, bzw. die Reste, die davor lagen. Ich habe das erst gemerkt, als ich im Keller einen komplett von Papier befreiten, weil aufgefressen, Sack Kalk gefunden habe. Nach Einstellung der Vogel Fütterung und Terpentinlappen als Geruchsbelästigung ist sie ausgezogen.

    1. Genau so ist es – sie gehen dorthin, wo es Futter gibt. Daß man sie mit Terpentingeruch vergrämen kann, war mir neu.

  2. Ich hatte lange Ratten als Haustiere und finde sie nach wie vor unglaublich putzig. Manchmal haben sie mich aber schon ganz schön auf Trab gehalten – wie alle Haustiere das hin und wieder schaffen 😉. In freier Wildbahn sieht man sie hier auf dem Land eher weniger als in der Stadt. Ich glaube, sie haben sich ganz gut mit uns Menschen arrangiert und vielleicht würde es ohne sie noch viel vermüllter aussehen. Alles Essbare sammeln sie ja ein. Das weiß ich aus eigener Erfahrung von meinen eigenen Ratten. Die hätten riesige Lager angelegt, hätten wir sie gelassen 😄

    1. Es würde sicher viel vermüllter aussehen, davon kann man ausgehen.
      Die Sache mit dem Ekel vor ihnen ist bestimmt eine kulturelle Frage. Die meisten Menschen haben im Kopf Pest-Krankheiten-Kanalisation – und fertig ist Schema F.
      (Ich habe durchaus auch selbst solche kulturellen (Vor)Urteile – niemals würde ich wissentlich Affen, Katzen oder Hunde essen. 😉)

      Was ich aber wirklich nicht sehe, ist ein ernsthaftes Rattenproblem in Berlin.

          1. Liest sich sehr flockig, hat mich amüsiert. Besonders schön: das Berliner Futur. Nur die Ratten – die Tiere – kommen ein wenig zu kurz. 😉

Kommentieren

Mailadressen werden nicht veröffentlicht Pflichtfelder sind markiert *

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf meine Website zurückkehren, und hilft mir zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.

Natürlich sind diese Daten rein statistisch und anonymisiert. Die Nachkatze bekommt nur dann Daten, wenn ein Kommentar oder eine Mail an sie geschrieben wird - klar, antworten möchte man ja können. Diese Datensätze sind grundsätzlich keinem Dritten zugänglich - und das bleibt auch so.

Schriftarten werden lokal geladen und nicht aus der Google Fonts Bibliothek nachgeladen.