Hellwach um drei, nach zwei Stunden Schlaf. Zwei Stunden Dinge erledigen, dann wieder ins Bett gehen bis um sieben einfach kein Schlafdruck mehr aufzutreiben ist. Hochaktiv bis hyperaktiv, mit Außenterminen, Standardkram und allem, was so anliegt. Gegen vier am Nachmittag geht nichts mehr, ich schlafe anderthalb Stunden auf dem Sofa. Dann wieder diverse Erledigungen, Katzenfütterung und Abendessen. Gegen neun noch einmal Sofaschlafen, glatt zwei Stunden. Die Schlafphasen sind kategorisch – ich falle um, weil ich wirklich nicht mehr geradeaus denken kann, das Hirn plötzlich nur noch mechanisch läuft, Knirschgeräusche inklusive (wo ich doch das schönste Positronengehirn westlich des Ural besitze!) und mir die Augen zufallen. Es ist nichts, was ich abweisen kann, rein auf der physischen Ebene.
Nach per Saldo siebeneinhalb Stunden Schlaf ist klar, daß es lange dauern wird bis wieder so etwas wie Schlafdruck/Melatoninspiegel aufkommt. Vermutlich wird es um die fünf Stunden dauern, mal etwas mehr, mal weniger.
Es ist eine krause Lebensweise, doch habe ich gelernt. Auch wenn mir das alles eher nicht gefällt, es geht. Es gibt hinreichend zeitliche Überschneidungen mit Menschen ohne Schlafstörung. Ich kriege meine Dinge auf die Reihe. Was leidet ist einzig ein gewisser Schwung im Sozialen – diese bekloppte Schaukel kann ich am Besten allein abreiten.
Ich lauere auf den Umschlagpunkt, der jedes Jahr zwischen Ende Februar und Ende März erfolgt und den ganzen Spuk von einem Tag auf den anderen beendet. Tips brauche ich hier keine – meine Mediziner und ich haben alles versucht bis auf Schlafmittel – die ich einfach nicht nehmen will. Was ich auch gelernt habe, ist mich nicht mehr aufzuregen. Den Spuk hinnehmen, Marke ‚Ist einfach so‘. Dem Körper zuhören. Nicht durchdrehen. (Wäre ich ein nine-to-fiver in Festanstellung, ich würde wahnsinnig und wäre ständig im Schlafdefizit. Meine Freiberuflichkeit bringt hier Freiraum.)
Trotzdem habe ich nach all den Jahren so gründlich die Schnauze voll, daß ich nun plane einen Termin in einem Schlaflabor zu bekommen, im Dezember. Irgendwo muß es doch einen Grund geben für mehr als fünfzehn Jahre Insomnia …
(Meine Tiere sind wunderbar. Niemand versucht mich aufzuwecken, wenn ich schlafen muß. Sie reiten die blöde Lage einfach mit ab. Einzig auf dem Abendessen um 18 Uhr herum bestehen sie, und das kann ich leisten.)
