Americano, eine Wintergeschichte

Nein, nichts politisches. Grins. Vielmehr ein Winterthema:
Vor Jahren kaufte ich second hand eine Winterjacke von Eddi Bauer. Nicht meine Farbe – Rot – aber wunderbar warm. Die äußerste Schicht war leider Baumwolle, verblasste mit der Zeit, auch die Regendichtigkeit ließ nach. Ich habe sie dann weitergegeben und danach auf einer Plattform für gebrauchte Kleidung sehr viel Glück gehabt. Ich fand eine dunkelblaue Winterjacke mit Kapuze und Gürtel, verbaut – anders kann man das nicht nennen – waren winddichte Innenbündchen an den Ärmeln, diverse hochtechnische Isolierstoffe (laut ‚Beipackzettel‘), Reißverschluss plus knöpfbarer Überklappe. Ich trage sie seit fast zehn Jahren und schätze sie sehr. Frau sieht nicht aus wie ein Michelinmännchen, friert aber selbst bei den aktuellen Temperaturen (-6 Grad) nicht – jedenfalls nicht oberhalb der Knie. In diesem Hause ist mit der Eddi-Bauer-Jacke ein Synonym entstanden: »Verdammt kalt. Es wird Zeit für den Amerikaner.« Auch besagte dunkelblaue Jacke heißt so, ungefähr so wie jedes Papiertaschentuch Tempo heißt.

In diesem Januar hätte ich gerne einen Amerikaner unter der Jeans, sprich: Merinounterwäsche. Die Recherche hat mich umgehauen – von vierzig bis neunundneunzig Euro. Hoppla – das kann ich mir nicht leisten. Ich erweiterte meine Wunschliste – erbarmt sich niemand meiner, bin ich mit einem neuen Auftrag vielleicht finanziell leistungswilliger als heute. Bis dahin trage ich draußen schlicht zwei bequeme Leggins übereinander. Etwas anstrengend, geht aber auch.

Ich hatte das alles schon härter. Mein erster Berliner Winter war legendär. Es gab Temperaturen bis zwölf Grad minus (plus bzw. minus windchill), das Radio warnte vor Erfrierungen und riet nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben, ich stellte meinen Umzug nach Berlin im großen Stil in Frage.😁 Und rührte mich wochenlang nicht aus dem Haus (Ein Lob der ostpreußischen Vorratshaltung!)

Mein Mitgefühl ist mit den Berlinern, die bis Donnerstag ohne Strom – und damit ohne Heizung – klarkommen müssen. Wäre mir das passiert, hätte ich genug Licht, Ladestrom fürs Handy (Powerbanks), Wasser und Getränke, Futter für alle, Kerzen sowieso, für vier bis fünf Tage, aber Wärme wäre auch hier ein Problem.

Sagte ich schon, daß ich für die Wintermonate nichts übrig habe?

4 Kommentare

  1. Die aktuellen Temperaturen sind noch kein Problem. Siehe da, Vorräte können verbraucht und erneuert werden.
    Supermarktregale müssen nicht immer super gefüllt sein.
    Stromausfall allerdings ist eines.
    Der Kälte ist es egal ob links, rechts oder Mitte. Sie ist einfach kalt.
    Nicht ganz ernst:
    Unter – 30 kann man nicht nach dem Amerikaner rufen. Da kommt er noch und wer will das schon.
    Also warm anziehen, warme Gedanken, die 12 oder mehr „W“ s helfen auch.

    1. Das sagst du so lässig!
      Ich muß das blaue Zimmer heizen, weil es mir beim besten Willen nicht gelingen will bei 14 Grad in den Schlaf zu kommen, brauchte heute die Hilfe eines Nachbarn – Spikes für überflüssig gehalten. Fehler! – um mit heilen Knochen nach einem unabdingbaren Einkauf wieder nach Hause zu kommen, kann den Außenkühlschrank vergessen, weil er ein Gefrierschrank geworden ist, beklage den Mangel an echten Wollpullovern, und segne meine Vorratslager. Heute mußte ich los – Frischgemüse und ein paar Fette, aber schön war das nicht!

  2. Mit Merionowäsche hatte ich auch schon geliebäugelt. Aber bei dem Preis ist mir das Experiment, ob ich sie überhaupt auf der Haut tragen kann, viel zu riskant. Zwei Leggings übereinander klingt wirklich nach einer Herausforderung. Habe mir vor zwei Jahren mal so ein billiges Synthetik-Thermoding gekauft. Geht mir fast bis unter die Arme und fühlt sich dementsprechend ungemütlich an aber ist genau das richtige, wenn es momentan vor die Türe geht. Allerdings sind die passenden Stiefel vor zwei Tagen einfach auseinandergefallen – Materialermüdung nach etlichen Wintern. Ich wäre jetzt also bereit für Frühling 😬.

    1. Puh, mit den Synthetikdingern kann ich gar nicht. Mit den Merinosachen geht es dir wie mir – für einen potentiellen Fehlschlag sehr teuer. Also einigen wir uns auf Frühling, so in etwa ab übermorgen?😁

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