Der Plan: Mit der S42 bis Gesundbrunnen, dann S1 bis Oranienburg, anschließend RE5 bis Rostock und dann noch einmal ein wenig S-Bahn bis Warnemünde. Da der RE5 nur alle zwei Stunden verkehrt, falle ich sehr früh aus dem Bett. Und dann klappt einfach gar nichts. Eine 42er fällt aus, die nächste passende Bahn ist wegen eines medizinischen Notfalls an Bord verspätet. Damit bin ich genau zwei Minuten zu spät in Oranienburg um den Anschluss noch zu erwischen. Geflucht habe ich wie ein Fuhrmann und kurz über einen Abbruch nachgedacht. Aber wenn der Westfale (wir sind bekannt für unser Beharrungsvermögen) ans Meer will, dann will er ans Meer. So geistere ich zwei Stunden durch Oranienburg. Es war nicht uninteressant, aber für mich fällt es unter ‚kann man machen, muß man aber nicht.‘
Ein wenig ist das alles wie die jugendlichen Reisen nach Paris für ein französisches Frühstück – die Anreise steht eher im Unverhältnis zur Aufenthaltsdauer. Egal wie damals.
Anbei ein paar Impressionen.
Ich mag Warnemünde, und Meer hilft sowieso gegen alles. Etwas über zwei Stunden habe ich Zeit, wenn ich nicht erst um 22 Uhr wieder zu Hause sein möchte. Es reicht aber. Ich genieße den Blick in die Weite aus dem Zugfenster, die Zeit am Strand ohnehin. Nachdem der Tag bewölkt und eher grau begann, reißt an der See die Wolkendecke auf und ich genieße meinen Milchkaffee und Haferkekse auf den Stufen des Seezeichens Steuerbord. So sehr ich Berlin liebe – es ist immer wieder eine Erleichterung etwas anderes zu sehen als Bauten und Straßen. Wüsste ich wie das zu finanzieren sei, könnte ich mir heute gut vorstellen aufs Land zu ziehen. Die Weite des Landes meiner Heimat fehlt mir mit jedem Jahr mehr und wäre in der Altmark – zum Beispiel – nicht anders. Bin ich stadtmüde? Könnte sein.