Katzen unter Struvit- oder Oxalatproblematik – Erfahrungsbericht nach 6 Monaten

Am 1. Mai erlitt mein kleiner Kater einen totalen Harnverschlag und wir verbrachten den Tag in der Tierklinik. Im letzen halben Jahr habe ich viel gelernt und der Kater ist gut eingestellt. Hier möchte ich für andere Suchende die wesentlichen Fakten zusammenstellen, die ich lernte.

Ob ein Tier Struvitkristalle oder Oxalatsteine entwickelt, ist zum Guttteil eine Frage der Fütterung, aber nicht nur. Eine Struvitproblematik entwickelt sich gern im Gefolge einer (unerkannten) Blasenentzündung und kann auch einfach eine Veranlagungssache sein.

Die Fakten:
Der gesunde Korridor im PH-Wert des Urins einer Katze (der Urogenitaltrakt ist bei allen Katzenartigen die Schwachstelle schlechthin, vom Löwen bis zur Hauskatze) ist relativ schmal. Er sollte beim gesunden Tier zwischen 6,2 und 6,8 nüchtern liegen. Als Katzenbesitzer kann man sehr darauf einwirken, indem man nur hochwertige Futter gibt: Kein Getreide, kein Zucker, hoher Fleischanteil, KEIN Trockenfutter. Auch im Krankheitsfall bestenfalls kurz Spezialfutter geben, siehe hier.
Bei einem längerfristigen PH – nüchtern gemessen, d.h. mindestens 6 Stunden nach der letzten Futtergabe – sollte sich der Wert zwischen 6,2 und 6,8 bewegen, beim Struvitpatienten 6,2 bis 6,5 (zur Auflösung der Kristalle). Liegt der Wert höher, besteht das Risiko der Kristallbildung, liegt er langfristig niedriger können sich Oxalatsteine bilden – das ist der klassische Nierenstein wie auch beim Menschen, der bei Katzen i.d.R. nur operativ entfernt werden kann.

Liegt der nüchterne PH-Wert über 6,8 beim gesunden, über 6,5 beim struviterkrankten Tier, werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Struvitkristalle bilden. Dem kann man entgegenwirken, indem man den Harn ansäuert, und zwar mittels der Gabe von Guardacid. Die Tiere nehmen es normalerweise gut ab, vor allem, wenn es mit wenigen Stücken Trockenfutter als Leckerli angeboten wird. Der Stoff, der hier wirkt ist D-Methionin, das an sich nicht sauer ist, aber im Stoffwechsel des Tieres den Harn ansäuert.
Die passende Dosis ist nicht leicht zu ermitteln – es ist sinnvoll das Medikament auf einer Startdosis zu geben (2×1 Tablette/Tag ist ein guter Startwert, am Besten vor Fütterung geben) und engmaschig den Nüchtern-PH zu ermitteln. Nur so bekommt man ein Gefühl dafür, ob man im richtigen Bereich unterwegs ist.
Wichtig: Keine Panik. Es braucht Zeit, Geduld und Beobachtungsgabe um zu sehen wie die Lage ist. Drei Tage mit einem Wert unter 6,2 machen noch keine Oxalatsteine, geben aber Anlass zu engerer Messung und verschärfter Beobachtung. Gleiches gilt bei einem Wert > 6,8 bis 7 für Struvit. Auch hier treten Katastrophen nicht innerhalb von Tage ein, also beobachten und öfter messen.

Auch noch sinnvoll zu wissen: Uringewinnung ist ein ganz eigenes Thema. Manche halten Kellen unter, andere nutzen eine Art Durchgangsstreu (Stichwort für Google: Pearlstreu), ich halte meinem Katzer inzwischen stumpf die Hand unter (Katzenurin ist wie Menschenurin steril), und da der Messstreifen immer bereit liegt und ich keine Handcremes benutze, ist der Wert valide, weil ich schnell genug bin.

Da der PH-Wert des Urins bei Katzen unter der Verdauung in die Höhe schießt (7 und mehr), ist es sinnvoll Struvitpatienten nur 2x täglich zu füttern. Sollten eure Fellnasen da partout nicht mitspielen, verteilt die Medikamentgabe auf die Mahlzeiten. Bei meinem heißt das – als Beispiel: 1 Tablette vor der Morgenmahlzeit, jeweils eine halbe Tablette zu der Mittags- und Abendmahlheit. Die Werte sind gut, also klappt das hier.

Noch ein Wort zu Messstreifen: Es ist sinnig Messtreifen mit einem begrenzten Bereich zu benutzen – alles andere artet schnell in Rätselraten aus. Als perfekt haben sich die Uralyt U erwiesen.

Und wer jetzt noch Fragen hat, der wende sich unbedingt an diese FB-Gruppe. Von denen habe ich mehr gelernt, als ich je wünschte zu wissen :)