Wer schreibt, darf sich nicht fürchten

Du zahlst für jedes kleine Wort auf Erden,
für jedes Mal, da du das Schweigen brichst.
So tief du liebst, wirst du verwundet werden
und missverstanden, fast so oft du sprichst.

… schreibt Mascha Kaléko.

Leider ist da etwas dran. Jeder Text – ob geschrieben oder gesprochen – unterliegt einem interpretatorischen Spielraum. Der aber liegt nicht beim Sprecher, sondern beim Leser bzw. Zuhörer. Dieser Spielraum wird bestimmt von tausend Dingen – Werthaltungen, Weltanschauung, Menschenbild, nicht zuletzt auch von der Einstellung des Rezipienten gegenüber der Person des Sprechers. Und nichts davon hat man als Schreibender in der Hand.

Schnell passiert es, daß man beginnt sich zu filtern. Vor lauter Sorge falsch verstanden zu werden, formuliert man sich einen Knoten ins Knie, wird vorsichtig und indirekt, und schafft damit nur eines: noch mehr Raum für Unklarheiten. Mal ganz davon abgesehen, daß jegliche Authentizität zum Teufel geht …
Es bleibt nur dies: Schreiben als würde man nicht gelesen.

Es wird immer Leser geben, die einen Artikel anders auffassen als man ihn meinte, die Zitate so lesen als wären sie direkte Meinungsäußerung (und nicht etwa Stoff zum Nachdenken, zum Beispiel). Wer spricht – oder eben schreibt – wird missverstanden. Immer wieder.

Wer schreibt – und seien es Vignetten von untergeordneter Bedeutung – darf sich nicht fürchten.
Den größten interpretatorischen Spielraum bietet noch immer das Schweigen.

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