Berlin Nights

Der Haken an vielen Ortswechseln im Laufe eines Lebens offenbart sich gern an unerwarteter Stelle: Die Freunde sind über die ganze Republik verstreut. Also trifft man sich, wenn sie beruflich in Berlin sind. Heißt auch: In der Regel mitten in der Woche, oft spät am Abend, nachdem alle Besprechungen abgefeiert sind. Dabei habe ich noch großes Glück. Die Fünf von Neun, die meinem Herzen nahe sind, verschlägt es mehr oder weniger regelmäßig in meine Stadt (ich selbst reise beruflich so gut wie nie).
Und doch …

Ein Beispiel: Wir trafen uns um 22h. Die Bar, die wir auf dem Plan hatten, renoviert gerade. Ein schneidender Wind pfiff durch Häuserschluchten. Was nun? Wir fanden freundliche Aufnahme in der Bar des Motel One – in der man nicht rauchen darf. Für mich nicht ganz leicht, geht aber schon. Der Pferdefuß: die Abende sind so kurz. Man hat sich gerade wieder ‘auf Stand gebracht’, dann sind alle rechtschaffen müde und bettschwer, haben meist auch am folgenden Tag schon früh wieder Arbeitsbesprechungen vor der Brust. Ich selbst hatte eine kurze Nacht, habe ab 5h (früh) gearbeitet, dann nochmal zwei Stunden entspannt (nicht geschlafen), am Nachmittag lieben Besuch gehabt, und kam insgesamt aus einem eher ruhigen Tag. (Mein freiberuflicher Lebensrhythmus ist einfach ein anderer. Ich muß mich ja nicht einmal anziehen um arbeiten zu können. Und wirke oft noch mitten in der Nacht …) Gegen Mitternacht gingen wir auseinander. Und ich war hellwach und vollkommen überdreht. Ihr macht euch keinen Begriff, was für ein toter Ort der Alex ist an einem Wochentag im Spätwinter …

Hätte ich den Meinen noch als Gesprächspartner gehabt, wäre ich nach Hause gefahren. Doch auch er hatte sich in Morpheus Arme geworfen, meine SMS blieb ohne Antwort.– So habe ich noch einen Vodka in der Besenkammer getrunken. Jetzt sitze ich hier, nach wie vor elend hellwach … man kann sich dann fühlen wie der einsamste Mensch der Welt …
Ambivalenz ist kein Ausdruck …

Jetzt höre ich mir noch zwei sentimentale Lieblingsstücke an, dann gehe ich lesen, ich Nachttier.
Can’t pretend
State of the art

[Da ein oder anderer von euch hier liest: Hört bloß nicht auf euch zu melden, wenn ihr in der Stadt seid! Allen Widrigkeiten zum Trotz macht es mich glücklich euch zu sehen. ]

Kommentar schreiben.

Ihre Mailadresse wird nicht veröffentlicht.Obligatorische Felder sind markiert *