Paradigmenwechsel

Eine Nacht, die nach vielem verlangt, nach Schlaf eher nicht. Es ist lange her, daß ich nachts vor mich hin gedacht und geschrieben habe … Mein letztes Gedicht ist mehr als fünf Jahre alt …
Nächtliches Bilanzieren? Nein, das ist es nicht. Ein Umsteuern aber, eine Art Kurskorrektur, die ist es wohl, die mich umtreibt. Die Träume seit Wochen irritierend, wenn auch keine Albträume. Langsam zeichnet sich ein Bild ab. Neblig zwar, doch ein Bild.
So viel Kämpfen-um in meinem Leben, daß ich den Kontakt zum Leben an sich einigermaßen verloren habe. Ich muß an den Indischen denken, der mich damals etwas lehrte, das ich sehr weit nach unten habe sacken lassen. (Die Geschichte dazu erzähle ich noch.) Ein gewisser … buddhistischer Anhauch wird sich in diesem Text nicht vermeiden lassen. Aber was tut es – ich habe eh’ nur eine handvoll handverlesener Leser (Der Germanist in mir amüsiert sich gerade über diese wüste Formulierung) …
Hier sind ein paar Dinge schiefgelaufen. Zäsuren im Leben sind an der Tagesordnung, da macht das meine keine Ausnahme. Ich hatte meine vor knapp vier Jahren und bin, glaube ich, den falschen Weg gegangen. Es ist zu still geworden, die Wendung erstens nach Innen und zweitens an nur drei oder vier Menschen – dieser Bogen ist nicht der, den ich mir gewünscht hatte. Mein eckiger Charakter, der Zorn und die Gegenwehr, das bin ich. Dazu stehe ich unbedingt. Doch habe ich es zuviel getan und zu wenig. Fatal: Beides an den falschen Stellen.
Vor allem der soziale Saldo ist knallrot – wenn ich auch weiß: everybody’s darling war ich zu keiner Zeit, nichtmal als Kind. Das möchte ich auch bis heute nicht anders haben. Irgendwie aber ist mir in den letzten Jahren der innere Kompass verreckt – ich finde meine Menschen nicht mehr. Nehmer um mich, kein Ausgleich. Und es fällt mir noch immer schwer mich von Menschen abzuwenden, die ich mag, die sich aber nicht für mich erwärmen können (Da muß ich schon wieder grinsen, aber es bringt die Sache auf den Punkt.) Es gab eine Zeit, in der war ich in diesen Dingen schlafwandlerisch sicher. Seit der Zäsur verhaue ich mich in einer Tour.
Die Kränkungen, die aus dieser meiner Blindheit erwachsen, sind subtil – und treffen mich dort wo es wirklich weh tut.
Ich muß etwas anders machen. Bei Null anfangen ist nicht lustig, aber besser geht es gerade nicht. Der erste Schwur: Alle zwei Wochen unter Menschen gehen, auf welchem Wege auch immer.
In gewisser Weise ist auch dieser Text ein Anfang. Ich erzähle wieder Unbekannten Geschichten aus meinem Herzen. Das einzige, was ich da wirklich hoffe: Daß ich mir nicht wieder einen Stalker einfange. Mit Desinteresse kann ich besser leben. Ist schließlich mein Ding hier, nicht?