sweetest blue

Der Termin war soweit okay. Trotzdem schlägt mir mein Blut heiß von innen an die Haut. Mehr als dreieinhalb Stunden, wo anderthalb gedacht waren. Ständig auf der Hut, was die Kollegen machen. Nicht begeistert. Gar nicht begeistert. Der eine selbstgefällig bis zur Unerträglichkeit. Mir scheint die Sonne … lassen wir das. Macho. Mucho Macho.
Sie verheddert sich in den eigenen Worten, kriegt regelmäßig die Kurve erst in der allerletzten Schleife. Meine Nerven gehen dafür drauf Gesichtszüge und Stimme am Entgleisen zu hindern. Die beiden Repräsentanten des Kunden sind okay.

Als man mich am S-Bahnhof absetzt – Autos und Bequemlichkeiten sind für andere – glühe ich rot vor stillem Zorn. Zuckerspiegel im Keller. Nikotinspiegel auch. Kein Feuerzeug. Zwei Junge Männer, dunkelhäutiger Deutschtürkischsprech. Businessoutfit hin oder her, ich spreche den einen freundlich an: ‘Haste mal Feuer?’ Ein kurzer Blick auf mein erschöpftes Gesicht, erstaunt. Graben in den Hosentaschen. Er fördert ein Feuerzeug zu Tage, läßt es sich nicht aus der Hand nehmen, will mir höflich Feuer geben. Vier Hände um eine Flamme, fünf Versuche – es ist windig – dann brennt die Zigarette. ‘Danke’ sage ich, hebe nochmal grüßend die Hand und gehe weiter. Drei Schritte, dann tönt es hinter mir: ‘Hej, Süße!’ Er muß es zum zweiten Mal rufen, weil ich’s erst nicht auf mich beziehe. Ich dreh’ mich um, gehe, eine Frage im Blick, zurück zu ihm. Breites Lächeln und eine ausgestreckte Hand, darin ein Feuerzeug. ‘Hier!’ sagt er. ‘Nimm mit.’ Es klingt wie ‘Nym miit’. Das Lächeln breit, die Haltung offen und lässig. ‘Hej! Danke!’ Nun bin ich es, die erstaunt ist.

‘Hej, Süße!’ Ich trage den Ton noch lange in mir.
Zwanzig Jahre zwischen ihm und mir. Mindestens.
Das blaue Plastikding ist mir lieb und teuer.

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