Noch einmal zum gleichen Thema wie hier, mit etwas anderem Focus: Der Möglichkeit, einen Text zu kommentieren. Gibt man die, ja oder nein?
Für mich stellt sich die Frage im Grunde nicht, denn ein Blog ohne diese Möglichkeit ist kein Blog, sondern ein Tagebuch oder eine Textsammlung – beides legitim, aber aus meiner Sicht dann kein Blog mehr.
Gerade in den Dialogen, die sich entwickeln können, sehe ich die große Stärke der »alten« Formate, auch und gerade dann, wenn Kommentarverläufe mäandern, vom Thema abkommen, man vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Das ist direkte Interaktion, unmittelbar, und – was noch wichtiger ist! – nicht von einem numinosen Algorithmus nach Minuten ins Vergessen geschoben, weil dem Leser nur vermeintlich Gewünschtes präsentiert wird.
Dazu kommt die Beständigkeit solcher Verläufe. Auch nach Jahren kann man sie noch lesen und nachverfolgen. Dies führt nach meiner Erfahrung bei allen Beteiligten zu mehr Bedacht. – Das Netz vergisst nichts, also überlegt man sich etwas gründlicher, was man in die Öffentlichkeit schickt. „Hater“ hatte ich in all den Jahren niemals, auch flame wars sind in keinem meiner Journale je aufgetaucht (Stalker allerdings, aber das ist eine andere Geschichte.)
Meine kleine Ecke im Netz bekommt nicht viele Kommentare. Wie sollte es auch anders sein, bei meistenteils sehr persönlichen Berichten aus dem Tageskram? Das passt schon. Wo aber reagiert wird, freue ich mich über jeden einzelnen Kommentar!
Wer nun argumentieren sollte, es gäbe soviel Spam und es wäre so aufwendig zu moderieren, der macht mich nur grinsen. Wer nahezu täglich schreibt, ist leicht in der Lage zu moderieren. Auch liefert so ziemlich jedes Redaktionssystem Möglichkeiten Spam zu filtern und Kommentare gewissen Vertrauensbedingungen zu unterwerfen (»Bevor ein Kommentar erscheint, muss der Autor bereits einen freigegebenen Kommentar geschrieben haben.«)
Texte, Kommentare, Dialoge, die bleiben – das genau ist es, was dieses gefühlt uralte Format des Blogs der Hektik, Oberflächlichkeit, Vermarktungstechnik, dem Datenklau der sogenannten social media platforms voraus hat!
Bildquelle (Header): Pixabay (modified)

Das hast Du gut festgestellt, ich bin da voll bei Dir. Man muss sich ja nicht auf jeden Kommentar einlassen, oder ihn freigeben. So habe ich mal darüber geschrieben, wie man einen bestimmten Laptop öffnet- immer mit dem Hinweis, das man das auf eigenes Risiko macht. Bei meinem Laptop waren die Sockel schwarz und die Klemmer weiß- bei ihm anders herum- der fing doch wirklich an zu meckern… Ich habe ihn angemailt und ihm klar gemacht, das wenn man Sockel und Klemmer nicht unterscheiden kann, es besser ist die Finger davon zu lassen… Die Kommentare hab ich gelöscht. Fertig. Aber es gibt auch viele angenehme- und die machen es für mich aus. Dabei ist Kritik OK, aber nicht Blödheit.
Wolf
Sogar mit Blödheit kann ich leben – so lange sie höflich bleibt.😀 Ich habe aber auch schon einmal freundlich angemerkt, daß man mein Journal bitte nicht mit einer Forumssoftware verwechseln solle.
Wenn man es altmodisch positiv sieht, ist jeder Kommentar eine Art „Darf ich Dir XYZ vorstellen?“
Denn über Kommentare finden Leser und Menschen zusammen, die einander vielleicht noch gar nicht kannten oder so nie getroffen hätten.
Wie bei einem Dorf- oder Stadtfest, wo Menschen ungezwungen ins Gespräch kommen.
Altmodisch? Aber nur, wenn Höflichkeit aus der Mode gekommen ist. Auf diesen Gedanken allerdings kann man kommen.🙃